Digitale Transformation – Mehr Kopfsache als Technologie

Prof. Dr. Klemens Skibicki beleuchtet beim FirmenkundenForum im Weltkulturerbe Völklingen rund 300 Gästen, wie der Übergang in ein neues Zeitalter gelingen kann.

"Ich bin aus zwei Gründen sehr gerne heute Abend hier in Völklingen", mit diesen Worten begann Prof. Dr. Klemens Skibicki seinen Vortrag beim FirmenkundenForum der Bank 1 Saar Ende Oktober 2019. "Einerseits möchte ich gerne mit euch über das große Thema 'Digitale Transformation - Mehr Kopfsache als Technologie' sprechen. Und andererseits finde ich die Location einfach super passend dazu. Als studierter Kunsthistoriker fasziniert mich das Weltkulturerbe Völklinger Hütte als Zeugnis einer Zeit, in der viele Menschen ihre Probleme hatten mit den Konsequenzen der Transformation ins industrielle Produktionszeitalter."

Weltkulturerbe Völklinger Hütte und Prof. Dr. Klemens Skibicki
Prof. Dr. Klemens Skibicki sprach im Oktober 2019 beim FirmenkundenForum der Bank 1 Saar im Weltkulturerbe Völklinger Hütte über die „Digitale Transformation – Mehr Kopfsache als Technologie“ (Foto: Bank 1 Saar/Becker&Bredel)

Mit anschaulichen, bildhaften Vergleichen erörterte der gebürtige Rheinländer in seinem gut einstündigen Vortrag den rund 300 anwesenden Gästen, wie sie den Chancen und Risiken der Digitalisierung begegnen können. Dabei stützt er sich auf seine Erfahrung als promovierter Wirtschaftswissenschaftler, aus seiner langjährigen Professur an der Cologne Business School sowie diversen beruflichen Engagements im Online-Marketing, beim Aufbau von Internetplattformen, Start-ups und einer Unternehmensberatung.

Die Bank 1 Saar-Vorstände Uwe Arendt (links) und Carlo Segeth (rechts) als Gastgeber mit Prof. Dr. Klemens Skibicki.
Die Bank 1 Saar-Vorstände Uwe Arendt (links) und Carlo Segeth (rechts) als Gastgeber mit Prof. Dr. Klemens Skibicki (Foto: Bank 1 Saar/Becker&Bredel).

Vier zentrale Handlungsfelder

Neben vielen interaktiven Elementen, bei denen Prof. Dr. Klemens Skibicki das Publikum durch Fragen und Stimmungsbilder aktiv einbezog, untermauerte er seinen Vortrag mit zahlreichen Zitaten. Dabei stellte er vier zentrale Handlungsfelder vor, durch die Unternehmen sich dem Thema Digitalisierung nähern könnten.

Mehr Kopfsache als Technologie, aber eben auch Technologie. Die Forderung nach einem massiven Internet-Infrastruktur-Aufbau nach dem Motto "5G so schnell wie möglich" ist die eine Seite. Gleichzeitig muss daran gearbeitet werden, welche Herausforderungen dank besser ausgebauten Internet-Infrastrukturen leichter gelöst werden können.

Gemeinsames Verständnis schaffen: Skibicki macht hier ein einfaches, nachvollziehbares Beispiel: Sowohl die Karnevalisten in Köln als auch die Faasenachter in Mainz feiern sachlich, von außen betrachtet das gleiche Fest mit Rosenmontagsumzug, Verkleidung und dem finalen Aschermittwoch und dennoch sind das trotz gerade mal 200 Kilometer Entfernung "gefühlt" zwei völlig unterschiedliche Festkulturen. Ähnlich ist es beim Thema Digitalisierung. Was damit gemeint ist und was dabei gefühlt wird, kann von Mensch zu Mensch, von Generation zu Generation unterschiedlich sein. Wichtig ist, das zu erkennen und an einem gemeinsamen Zielbild zu arbeiten:

  • Ganzheitliche Anpassung der Geschäftsmodelle, der Unternehmensstruktur und -kultur
  • Weg von Hierarchie und Push-Kommunikation hin zu mehr Zuhören, Dialog und Einbindung von Stakeholdern
  • Statt Wertschöpfungskette den Prozess als Wertschöpfungsnetzwerk begreifen

Daten, Daten, Daten: Der amerikanische Ölmagnat John D. Rockefeller verschenkte einst Öllampen, damit die Leute sein Öl zum Betrieb ebendieser Lampen kauften. Google & Co., sie alle sammeln heute unsere Daten, mit denen sie Geschäfte machen. Skibicki sprach sich für einen offensiveren Umgang mit dem Thema Daten aus. Schließlich profierten wir auch von den ermittelten Daten etwa durch Nutzung der kostenlos bereitgestellten Dienste wie z.B. Google Maps.
Die Art, wie Kunden Informationen aufnehmen und vor allem filtern und bewerten verändert sich und zwar in einer Geschwindigkeit, wie sie von Unternehmen häufig nicht antizipiert wird. Skibicki erklärt, dass durch die clevere Kombination von Daten und Dialoge mit allen denkbaren Stakeholdern eine Nähe entsteht, die bessere Entscheidungen für beide Seiten ermöglicht. Dennoch sollte jeder im Internet selbst den Grad der Nutzung seiner persönlichen Daten steuern können – mit all seinen Vor- und Nachteilen.

Neue Wege gehen: Um zukünftigen Herausforderungen gewappnet entgegen zu treten, ist es laut Skibicki wichtiger denn je, die richtigen zu fragen – anstatt wie gehabt diejenigen, die man schon immer gefragt hat.

Juvenoia = Die Krankheit der Gegenwart

All diese Herausforderungen, betont Skibicki immer wieder, seien keine neuen. Es ist ein bekanntes Phänomen, dass ältere Generationen die nachfolgenden belächeln oder mit Unverständnis strafen. Doch was ist so neu an dem Trend, Essen zu fotografieren oder Selfies auf Instagram hochzuladen? Was haben angesehene Maler wie Van Gogh und Co. denn anders gemacht, wenn sie Stillleben von Obstschalen oder Selbstportäts auf Leinwände brachten?

Skibicki nennt diese allgemeine Skepsis gegenüber Neuem "Juvenoia", ein Neologismus, der die Krankheit der Gegenwart beschreibt. Problematisch wird es, wenn die jeweilige Generation auf ihrem Standpunkt beharrt und damit die Weiterentwicklung von Technologie, die die ganze Welt beeinflusst, verschläft. Ob dies ein typisch "deutsches" Problem sei und ob unsere Mentalität überhaupt für Transformationsprozesse offen wäre, kam in der abschließenden Fragerunde als Einwand aus dem Publikum. Skibicki bringt es in seiner Antwort auf den Punkt: Die vier reichsten Amerikaner seien sogenannte "selfmade millionaires", die vier reichsten Deutsche seien Erben. Was wir uns von den Amerikanern oder anderen „Unternehmenskulturen“ abschauen können ist, eine höhere Risikofreudigkeit an den Tag zu legen und mehr Mut für das Prinzip "Trial and Error", also für eine gewisse Fehlerkultur, zulassen.

Im Anschluss an den Vortrag lud Bank 1 Saar-Vorstand Uwe Arendt ein, das Gehörte bei Speis und Trank „zu verdauen“ und in den Austausch miteinander zu gehen. Der Einladung folgten die Gäste gerne und noch bis spät am Abend war die Gebläsehalle im Weltkulturerbe Völklinger Hütte gefüllt mit den Stimmen der netzwerkenden Firmenkunden der Bank 1 Saar.