Betrachtungen zum Amerika nach der Wahl

Christoph Teuner von n-tv referierte beim Firmenkundenforum der Bank 1 Saar

Aktueller hätte das Thema nicht gewählt sein können, zu dem der Chefmoderator des Nachrichtensenders n-tv, Christoph Teuner, in der voll besetzten Gebläsehalle des Weltkulturerbes Völklinger Hütte beim Firmenkundenforum der Bank 1 Saar sprach: „USA nach der Wahl – Chancen und Gefahren für Europa und die Welt.“

Steinerne Gesichter statt Volksfeststimmung in den USA
Vor sechs Wochen habe er mit den Vorbereitungen zu seinem Vortrag begonnen, nach dem Wahltag 8. November sei vieles davon im Papierkorb gelandet, räumte der studierte Amerikanist und USA-Kenner, der zum achten Mal über eine US-Präsidentenwahl berichtete, ein. Auch ihn habe das Ergebnis „umgehauen“. Teuner verwies auf den Kontrast zur Wahl Obamas 2008, als in New York am Wahltag Volksfeststimmung geherrscht habe. Jetzt habe es allerorten versteinerte Gesichter gegeben – Ausdruck einer tiefen Kluft zwischen Stadt und Land in den USA.

Teuner betonte, seine Einschätzung Trumps und seiner künftigen Politik komme eher einer Wasserstandsmeldung gleich. Wahrscheinlich werde Trump ein „One Hit Wonder“ bleiben, zumal die US-Gesellschaftsstruktur einem gravierenden Veränderungsprozess unterliege. Die Wahl Trumps sei „das letzte Aufbäumen des christlich geprägten weißen Amerika“, das längst der Vergangenheit angehöre. Diesen Menschen habe Trump erfolgreich eingeredet, dass sie nicht fair behandelt werden.

Angst vor der Politik Trumps habe er aber nicht, das Amt werde den Präsidenten stärker formen als dieser das Amt, ist Teuner überzeugt. Mulmig werde es ihm jedoch, wenn er die „Entrationalisierung und Hysterisierung der Gesellschaft“ betrachte – eine Entwicklung, die sich in dem Begriff „postfaktisches Zeitalter“ spiegele. tt

Uwe Arendt (r.), Vorstandsmitglied der Bank 1 Saar, begrüßt den Gastreferenten Christoph Teuner. Foto: pr

Quelle: Saarland-Journal November 2016